Andachten für die aktuelle Krise

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet!“ (Ps 66,20)

N. Schwarz © GemeindebriefDruckerei.de

Liebe Leserin, lieber Leser,

Kennen Sie den Irrweg von Asterix durch ein römisches Amtsgebäude? Asterix sollte in diesem Gebäude ein ganz bestimmtes Antragsformular bekommen. Er ging von einem Schalter zum anderen, um dem ersehnten Formular wenigstens ein Stück näher zu kommen. Später stellte sich dann jedoch heraus: Dieses Formular gab es überhaupt nicht!  Die Suche danach war also von vorn herein zum Scheitern verurteilt!

Von solchen Erfahrungen können die meisten von uns ein Lied singen: Als Deutsche sind wir doch weltweit für unsere Bürokratie bekannt. Gerade das deutsche Steuerrecht gilt als das Umfangreichste. Ebenfalls ist es für viele von uns nicht einfach, sich durch all die Formulare zu kämpfen, die in Bürokratendeutsch geschrieben sind. Damit muss sich aber jeder notgedrungen befassen, der finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen möchte. Studenten müssen so z.B. einen Stapel an Formularen ausfüllen, viele Unterlagen zusammentragen und einiges offenlegen, um überhaupt BAföG erhalten zu können. Andere kennen das aber auch durch die Beantragung von Wohngeld oder vom Ausfüllen der Steuerklärung. Nicht ohne Grund lassen viele diese Erklärung lange liegen oder ziehen professionelle Berater hinzu.  Zurzeit ist solche staatliche Unterstützung für viele wichtiger denn je. Aktuell werden in der Corona-Krise viele Notkredite angefordert. Von der Bewilligung dieser Notkredite hängen zum Teil die Existenzen einzelner Unternehmer ab. Sie brauchen dringend dieses Geld, weil Einnahmen ausgefallen sind und Forderungen selbstverständlich weiterhin nachgekommen werden muss. Daher wird ein solcher Aufwand in Kauf genommen. Von der Beantragung bis zur erfolgreichen Bewilligung ist es dann zum Teil ein weiter Weg, der oft viel an Geduld abverlangt.

Wenn wir dahingegen nun zu Gott gehen und ihm unsere Bitten nennen, dann ist das bei ihm eine ganz andere Sache. Das hat auch schon der Beter von Psalm 66 erfahren dürfen. Er konnte aus tiefster Überzeugung sagen: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft". Gott ist anders, weil er unsere Anliegen nicht einfach in den Papiereimer wirft. Bei ihm brauchen wir auch nicht erst eine Bearbeitungsgebühr zu zahlen. Er ist auch nicht gelangweilt, wenn wir zu ihm kommen. Ebenfalls müssen wir bei ihm nicht erst eine komplizierte, langwierige Antragsstellung hinter uns bringen, damit er sich um uns kümmert. In seiner Liebe nimmt Gott sich alles an Zeit für uns und hört dem, was wir ihm zu sagen haben, aufmerksam zu. Der Beter dieses Psalms hat genau das spüren dürfen. Er durfte erfahren: "Bei Gott bin ich mit meinen Anliegen an der richtigen Adresse!" Deshalb können wir mit den Worten aus Psalm 66 sagen: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet!"

Der gute Hirte (Joh 10)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Wochenspruch steht in Johannes 10 und lautet:

"Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben."

In der sogenannten Hirtenrede vergleicht sich Jesus mit einem Hirten. Ihn als Hirten zeichnet dabei sein zutiefst inniges und vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schafen aus. Er sagt hier: ,,Ich kenne die Meinen." Das griechische Wort für ,,Erkennen" meint hier mehr als nur ein intellektuelles Wissen um etwas. Der Begriff ,,Erkennen" steht viel mehr für die persönliche Beziehung, die Jesus zu jedem der Seinen hat. Er kennt jeden Einzelnen beim Namen. Er weiß um alle unsere Bedürfnisse und Befindlichkeiten.

Aus einer solchen Beziehung entsteht dann ein enges, wechselseitiges Vertrauensverhältnis. Deshalb reagieren die Schafe auf ihren guten Hirten dementsprechend mit Vertrauen.

Neben den uns bekannten Vertrauenspersonen will also gerade auch Jesus eine innige, persönliche Beziehung zu jedem Einzelnen von uns haben. Er möchte an unserem Leben Anteil bekommen. Bei ihm dürfen wir dann unser ganzes Herz ausschütten. Mit den schweren Lasten des Lebens müssen wir somit nicht mehr für uns alleine bleiben - wir können sie vielmehr bei ihm abladen. Diese innige Beziehung zu Jesus Christus ist somit ein großes Geschenk.

Aber durch was erkennen die Schafe aus der Hirtenrede nun ihren guten Hirten? Wie genau tritt er mit ihnen in engen Kontakt?

Jesus gibt uns in folgenden Worten eine Antwort. Er spricht: ,,Meine Schafe hören meine Stimme." Die Schafe erkennen ihren Hirten somit am einzigartigen Klang seiner Stimme.

Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich an. Denn wir trauen es Schafen womöglich auch gar nicht zu, dass sie so intelligent sind. Aber Schafe können das wirklich! In den Alpen erkennen die Schafe z.B. ihren Hirten allein am Klang seines Alphorns. Nur durch den Klang des Horns teilen sich die Schafe, die aus verschiedenen Herden zusammengepfercht wurden, ihrem persönlichen Hirten zu.

Diese Schafe wissen somit ganz genau, zu wem sie gehören und wem sie vertrauen können. Sie folgen ihrem Hirten dann aus freien Stücken und aus eigener Überzeugung nach.

Aber wo können wir nun die Stimme unseres guten Hirten hören?

Am deutlichsten hören wir die Stimme von Jesus Christus in seinem Wort. Am Anfang des Johannesevangeliums wird sogar gesagt, dass Jesus selbst das fleisch- bzw. menschgewordene Wort Gottes ist. Das heißt, dass Gott durch den Menschen Jesus mit uns in Kontakt tritt. Durch Jesus lässt Gott von sich hören und spricht durch ihn seine ermutigenden, stärkenden und tröstenden Worte in unser zum Teil aufgewühltes Leben. Durch seine Worte erfahren wir, dass wir einen guten Hirten haben, bei dem wir uns für alle Zeit geborgen wissen dürfen!

Ein Weg durch den Tod!

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Auferstehung von Jesus fordert uns heraus. Sie widerspricht dem, was wir in unserem Leben immer wieder schmerzhaft sehen und erfahren müssen. Wir leben ja in einer vergänglichen, sterblichen und bedrohten Welt. Gerade die aktuelle Coronakrise führt uns eben das vor Augen. Erschreckend ist dabei vor allem die Zahl derer, die bereits weltweit gestorben sind und Entwarnung kann auch bei uns in Deutschland noch nicht gegeben werden.

Durch die Auferstehung Jesu begegnet uns nun etwas, was unsere Vernunft und Vorstellungskraft bei weitem übersteigt. Sie macht dem, was wir in unserer Welt erfahren und erleben, einen Strich durch die Rechnung. In der Auferstehung Jesu wird nun der Realität des Todes, die uns bis auf den heutigen Tag beschäftigt, die letzte Macht genommen.

Viele können diesen Sieg Jesu über den Tod und die bedrohlichen Mächte in unserer Welt nur schwer glauben. Ich kann das sogar gut nachvollziehen und verstehen. In unserer eigenen Erfahrung und Lebenswelt kommt ja das, was mit der Botschaft von der Auferstehung verbunden ist, nicht vor. In unserer Welt gilt: "tot bleibt tot" oder "am Tod führt kein Weg vorbei". Aber was in unserer Welt zuletzt gilt, hat in den biblischen Berichten über die Auferstehung Jesu nicht mehr das letzte Wort. Durch den auferstandenen Jesus Christus zeigt sich inmitten unserer sterblichen Welt der Gott des Lebens. Er verdeutlicht uns, dass unsere Welt keineswegs hoffnungslos auf den Tod als Ende unseres Lebens zusteuert. Das heißt: Es führt zwar kein Weg am Tod vorbei, aber durch Jesus gibt es sehr wohl einen Weg durch den Tod hindurch!

Das Problem ist dabei nur, dass wir als moderne, aufgeklärte Menschen darauf schnell erwidern und sagen: "Ich glaube nur, was ich auch sehen kann". Mit unseren Augen können wir das Wunder der Auferstehung jedoch nicht sehen. Wir können die Auferstehung mit unseren Händen auch nicht ergreifen. Die Auferstehung Jesu entzieht sich somit dem Bereich des Messbaren oder Beweisbaren und gehört in den Bereich des Glaubens.

Dieser Glaube ist für uns Menschen aber von entscheidender Bedeutung, damit wir an unserer Welt, die unter der Macht der Vergänglichkeit, Sterblichkeit und auch unter so mancher Bedrohung leidet, nicht verzweifeln. Durch den Glauben an die Auferstehung gibt Gott uns die nötige Kraft, um erneut aufzustehen, wenn uns einmal der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Der von den Toten auferstandene Jesus stellt unser zerbrechliches Leben somit auf einen festen Grund und auf einen Weg, der uns sicher durch die Gefahren unseres Lebens und schlussendlich selbst durch den Tod zum ewigen Leben führt.

Für die Herausforderungen, die in Ihrem Leben aktuell vor Ihnen liegen, wünsche ich Ihnen, dass Gott Ihnen die Kraft schenkt, die Sie jetzt am meisten brauchen!

Jesus spricht: "Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen." (Mt 24,35)

Worte haben in der aktuellen Krisenzeit keine lange Haltbarkeit. Politiker müssen sich gerade immer wieder neue Regeln überlegen, um die Gesellschaft vor der weiteren Ausbreitung des Coronavirus zu beschützen. Vor ein paar Wochen war es z.B. noch undenkbar, dass es bei uns so etwas wie ein Kontaktverbot geben würde oder dass die Fließbänder bei großen Autounternehmern stillstehen würden. Dass es mal zu Schulschließungen im ganzen Land und zu Absagen aller Großveranstaltungen, wie von EM-, Bundesliga- oder Olympischen Spielen kommen würde, hätte vor paar Monaten auch noch keiner gedacht. Eine Verlautbarung bzw. Regelung folgte dann der anderen. Unser öffentliches Leben wurde dadurch zunehmend in nie dagewesener Weise eingeschränkt. Keiner von uns weiß nun wirklich, wie lange diese Notsituation andauern wird und ab wann wieder Normalität einkehrt. 

Dadurch merken wir: unsere menschliche Weisheit und Weitsicht haben Grenzen. Wir können gerade angesichts dieser unübersichtlichen Lage keine klaren Aussagen oder Prognosen treffen. Wir können eigentlich nur abwarten und unser Bestes tun, also zu Hause bleiben, Kontakte so gut es geht vermeiden und darauf hoffen, dass die Krise bald überstanden sein wird.  

Neben all den menschlichen Worten, die also nicht lange halten und die sich aktuell regelrecht überschlagen, gibt es aber sehr wohl Worte, auf die wir uns verlassen können. Jesus selbst hat damals Worte gesprochen, die Menschen nachhaltig prägen und aufhelfen konnten. Seine Worte haben u.a. Blinde sehen lassen und Hoffnungslosen neue Perspektiven eröffnet. Ich wünsche uns nun, dass wir in der aktuellen Krisenzeit in ähnlicher Weise erfahren dürfen, wie Jesu Worte uns auch heute noch erreichen. Sie können uns für die Bewältigung der aktuellen Herausforderung Kraft und festes Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott schenken. Ich bin mir sicher: Jesus hat Worte, die nicht einfach so verpuffen. Seine Worte überdauern und haben Bestand. Auch noch heute helfen sie uns weiter - selbst dann, wenn uns oder anderen die Worte fehlen und unsere menschliche Weisheit an eine Grenze gelangt.

"Meine Augen sehen stets auf den HERRN" (Ps 25,15)

Was zur Zeit unsere Augen zu sehen bekommen, hat es so noch nie gegeben: u.a. in den Supermärkten viele leere Regale, geschlossene Geschäfte oder Bäder und deutlich weniger öffentliches Leben. Daneben bekommen wir über die Nachrichten im Fernsehen Bilder zu sehen, die für viele bisher unvorstellbar waren: geschlossene Grenzen, Ausgangssperren im Ausland und festsitzende Urlauber, die jetzt sogar von der Bundesregierung zurückgeholt werden müssen.

Gerade in solchen unsicheren Zeiten ist es wichtig, auf etwas zu sehen, was beständig ist und worauf wir uns verlassen können. Einen ganz speziellen Blick hat dabei David eingenommen. Er hat in seiner Not auf Gott geblickt und seine Sorgen und Ängste zu ihm gebracht. Genau so dürfen wir jetzt wissen, dass wir einen Gott haben, der sich um alles kümmert, was uns bewegt und helfen kann.